Ultramarathon Piesbergultra 15.04.2023 (PUM) Rennbericht

Was ist überhaupt ein Ultramarathon?

Zunächst einmal für alle die es vielleicht nicht wissen. Wo ist denn der Unterschied zwischen einem Marathon und einem Ultramarathon?

Als Ultramarathon oder kurz Ultra bezeichnet man jeden Wettkampf der über die Marathondistanz von 42,159 km hinausgeht. Richtig alle Läufe nach oben sind keine Grenzen gesetzt. Die Distanzen gehen von 50, 60 , 70 ….. bis über 100 Km und sogar über 100 Meilen. Bei vielen Ultras müssen auch viele Höhenmeter überwunden werden.

Es werden Ultras durch die Nacht gelaufen, durch Wüsten und Berge, Das macht sie nicht nur zu einer körperlichen sondern auch zu einer mentalen Herausforderung. Oft führen die Strecken entlang atemberaubende Ausblicke und tollen Landschaften. Aber es gibt natürlich ebenso Ultras die auf einem kurzen Rundkurs gelaufen werden. Für jede Art von Lauf die man machen möchte jenseits der üblichen Distanzen gibt es einen Ultramarathon und für so einen habe ich mich entschieden. Mein Erster Ultra soll der Piesbergultra werden.

Vor dem Ultramarathon

Es ist 2:00 Uhr morgens der Wecker klingelt. Ich hüpfe aus dem Bett und schleiche mich ins Bad damit meine Supportcrew (meine Frau) noch ein wenig schlafen kann. Heute ist nun endlich der Tag den ich seit September 2022, dem Tag der Anmeldung für meinen 1. Ultra, herbeisehne. Das gesamte Training und die Zeit die ich vor allem in den letzten 4 Monaten investiert habe. Finden heute ihren Höhepunkt am Wettkampftag.

Die Nacht vor dem Wettkampf war natürlich erwartungsgemäß holprig. Ich habe mich zwar früh ins Bett gelegt (18:00 Uhr) aber bevor mich der Schlaf ereilte vergingen einige Stunden. Als ich das letzte Mal auf die Uhr sah war es bereits 22:30 Uhr. Irgendwann habe ich gelesen das die entscheidendere Nacht die 2 Tage vor dem Wettkampf ist. Damit mache ich einen Haken an meine „Angst“ durch Übermüdung dumme Fehler zu machen. Denn diese können schließlich das Rennen kosten.

Nachdem ich mich im Bad fertig gemacht hatte und mir mein Müsli schmecken ließ wurde meine Supportcrew munter so, dass wir um 4:00 Uhr nach Osnabrück aufbrachen. Gute 2 Stunden später kamen wir an und meine Aufregung, die sich bis dahin in Grenzen hielt, (abgesehen von dem übliche habe ich irgendwas vergessen? Schuhe? ^^) kam nun langsam durch. Immerhin waren es nur noch 90 Minuten bis zum Start und 60 Minuten bis zum Briefing.

Also Auto einparken, Sachen schnappen, andere Läufer begrüßen und ab zur Startnummernausgabe. Die ging durch gute Organisation und max. 150 Teilnehmern sehr flott und ich war innerhalb von gut 25 Minuten fertig umgezogen und bereit. In den letzten 30 Minuten vor dem Briefing habe ich mir noch einen Kaffee gegönnt. Währenddessen haben wir uns die anderen Teilnehmer angeschaut. Dabei fiel mir direkt auf das viele sich untereinander kennen und eine sehr familiäre Stimmung herrschte. Dies hatte ich bereits mehrfach von anderen Läuferkollegen, die schon den einen oder anderen Ultra gelaufen sind, gehört das die Gemeinschaft das beste an den langen Distanzen ist. Da man im Gegensatz zu den meisten Straßenwettkämpfen gemeinsam gegen die Strecke läuft als gegeneinander. Genauso wenig spielen Zeiten eine Rolle bei einem Ultramarathon ist der Weg das Ziel. Alleine gesund an der Startlinie zu stehen ist eine Leistung.

Der Ultramarathon Teil 1

Strecke des Ultramarathon PUM 2023

Was einen erwartet sieht man im Bild links. Die Strecke hat knapp 63 km, ca. 2100 HM und 3390 Treppenstufen.

Diese Runde musste beim diesjährigen PUM 2023 insgesamt 6 mal absolviert werden. Bei Runde 2 gab es eine kleine Besonderheit mit einem kleinen „Kletterabschnitt“.

Die Highlights der Strecke wurden jeweils als Bilder hervorgehoben. Mir sind besonders gut die Erdzeitalter Treppe (oder für mich die Treppe des Todes ^^). Ebenfalls werde ich den Mammutbaum (Manni) in Erinnerung behalten.

Pünktlich um 7:30 Uhr erfolgte der Startschuss und wir machten uns auf dem Weg vom Gelände des Spvg. Haste Richtung Rundkursbeginn. Entlang der Hauptstraße ging es erstmal locker laufend bis zum Beginn des ersten Anstieges Richtung Deponie . Ab dort wurde dann gegangen um den Puls nicht unnötig hoch zu treiben.

.Die ersten knapp 2 Km ging es hoch und runter wobei die Anstiege theoretisch lauf bar waren. Aber bei einem Ultra gilt es darum durch zu kommen und nicht sein Pulver direkt am Anfang zu verschießen. Dementsprechend wurden die Anstiege zügig gegangen bis dann ein wunderbarer Trail bergab Abschnitt kam. Diesen habe ich vor allem in den letzten beiden Runden sehr lieben gelernt da man dort ordentlich Tempo machen konnte.

Unten auf dem Waldweg angekommen ging es nach einigen 100 Metern wieder den sogenannten Schafsweg hinauf. Ein Abschnitt der im Laufe der Runden immer schwieriger zu bewältigen wurde da er sich in eine regelrechte Matschfläche verwandelte. Zum Glück war auf ca. der Hälfte des Weges ein umgeknickter Baum den ich und die anderen Teilnehmer dankend als Kletterhilfe benutzten. Oben auf dem Hauptweg wieder angekommen konnte man schon ein bisschen die Aussicht auf Osnabrück genießen bevor es wieder hoch und runter Richtung Piesberg Aufstieg ging.

Nach den ersten paar Treppenstufen führte der Weg am 1. VP der Runde vorbei der von Helpage Jede Oma zählt betreut wurde. In den ersten 3 Runden musste ich diesen nicht nutzen. Dafür in den letzten 3 immer auf dem Weg vom „Gipfel“ nach unten.

Am VP vorbei ging es dann auf einem asphaltiertem Weg hinunter der dann zu einem unbefestigten leicht hügeligen Weg wurde. Diese Stelle war auch herrlich um Tempo zu machen bevor man die Erdzeittreppe erreichte und sich die unzähligen Treppenstufen hochkämpfte. Dies war mit Abstand der anstrengendste Teil des Rundkurs für mich und auch für viele der anderen Teilnehmer. Apropos andere Teilnehmer während dieser kurzen Zeit habe ich bereits  die ersten Kontakte geknüpft. Vor allem mit Konrad sollte ich bis Runde 4 viel Zeit auf der Strecke gemeinsam verbringen und tolle Gespräche führen.

Oben mit brennenden Oberschenkeln angekommen schlug einen der Wind direkt um die Ohren. Damit erschloss sich sofort warum dort oben die Windräder standen 😊. Das war der Moment wo ich sehr froh über meine Jacke war. Von dem kurzen Gipfel besuch ging es dann am VP der Omas vorbei wieder die paar Treppen hinunter. Über den Hauptweg dann weiter an der Mergelgrube entlang die einen herrlichen Anblick bot. Wieder hinein in ein kleines Waldstück leicht bergauf über die Johannissteine.  Diese wurde vor allem im späteren Verlauf immer schlüpfriger durch den ab Runde 2 einsetzenden Dauernieselregen.

So verlief die Runde dann leicht hügelig bis zum Aussichtspunkt wo man nochmal ein wenig das schöne Panorama genießen konnte bevor es eine Rundwendeltreppe hinunter ging. Überraschenderweise ging es dann bergauf um zu dem matschigstem bergab Abschnitt zu kommen.  An diesem kam es Streckenbedingt zu leichtem Stau den Konrad und ich umgingen in dem wir den Grünstreifen nutzten um an den Mitläufern vorbei zu kommen und dem Matsch auszuweichen. Danach kamen ein paar hinunterführende Stufen die man gut und zügig überwinden konnte indem man den neben den Stufen den natürlich gebildeten Wasserabfluss benutzte.


Mittlerweile waren bereits über 6 Km der Rundstrecke absolviert und der Weg führte durch einen schönen Park in dem der Mammutbaum „Manni“ steht. In Runde 2 erzählte mir Konrad das er bei seiner ersten Teilnahme bei dieser Veranstaltung diesen Baum immer „abgeklatscht“ hat. Diese „Tradition“ fand ich super das ich das für mich übernommen haben. Als wir Manni passiert hatten ging es wieder bergauf durch einen wundervollen Waldabschnitt wo wieder der typische Ultragang (gehen) eingeschlagen wurde. Nach einem hoch und runter durch diesen Waldabschnitt der auch gern von den hiesigen Mountainbikern genutzt wird. Kamen wir beim bergab durch den Schacht. Ein schönes geschichtsträchtiges  Gebäude mit einigen Informationstafeln zu der Geschichte des Bergbaus am Piesberg.

Die restliche Strecke führte entlang der Schmalspurbahnstrecke, bis dann das Museum passiert wurde und der Weg einen Knick machte. Durch einen Graben gelangten wir zum Hauptverpflegungspunkt am Ende der Runde.

Im VP wurde erstmal Wasser aufgefüllt und der Magen mit Oliven, eingelegten Gurken, Süßigkeiten etc. alles was der Ultramagen begehrt gefüllt.  Weil die 1. Regel die ich während des Trainings und des Wettkampfes mir gemerkt habe wenn dein Körper auf etwas Hunger hat dann iss es. Der Körper signalisiert einem damit automatisch was ihm fehlt. Beispiel zu wenig Salz (Essiggurken) oder zu wenig Zucker(Weingummi). Denn wir wollen alle dem Mann mit dem Hammer entgehen. Während des Auffüllens der Reserven wurde gescherzt und gequatscht mit den anderen Teilnehmern und den Freiwilligen bei denen ich mich in jeder Runde bedankte. Immerhin wäre ein Lauf wie dieser niemals möglich ohne die unzähligen freiwilligen Helfer und diesen kann man gar nicht genug danken.

Bevor es für mich wieder auf die Runde ging habe ich mir noch einen kleinen Schnack mit meiner Frau gegönnt und natürlich etwas Motivation abgeholt. Das rechne ich ihr auch besonders hoch an das sie bei den Wetterbedingungen die ganze Zeit am VP ausharrte auch wenn sie vom DRK ihren eigenen Pavillon aufgestellt bekommen hat. Es ist nicht zu unterschätzen was ein Rückhalt nicht nur während des Trainings sondern vor allem im Wettkampf einen bringt und einen nachvorne treibt.

In Runde 2 kam dann nach dem Beginn der Runde einen kleinen Kletterabschnitt über sehr unwegsames Gelände der einen wunderbare Abwechslung war und eine schöne Aussicht bereithielt. Allerdings war ich froh das dieser kraftraubende Abschnitt nur einmal bewältigt werden musste. Ansonsten lief die zweite Runde sehr gut und die Zeit verflog wie im Flug vor allem durch die Konversation mit Konrad. Während dieser Runde setzte der Regen ein und sollte bis zum Ende andauern.  Wobei ich ganz ehrlich sagen muss irgendwann habe ich den Regen nicht mehr mitbekommen und zwischendurch sogar gedacht das es aufgehört hat zu regnen. Diese Runde verlief ohne große Vorkommnisse oder Probleme.

Der Ultramarathon Teil 2

In der 3. Runde setzten bei mir nach den Treppen des Todes die ersten Verschleißerscheinungen ein und vor allem die hinter Seite der Oberschenkel fing an Probleme zu machen. Die üblichen Nickligkeiten die während eines langen Laufs dazukommen stellten sich auch ein aber gingen genauso schnell wie sie gekommen sind. Am Ende der Runde habe ich mir dann im VP eine Salztablette gegönnt und diese half tatsächlich sehr denn im lauf der 4. Runde verschwanden die muskulären Probleme. Daraufhin konnte ich in Höhe der Windräder wieder zu Konrad aufschließen und die Runde gemeinsam mit ihm beenden.

Mein Gemütszustand war weiterhin sehr gut was bestimmt daran lag das ich zum einen viele Gespräche unterwegs geführt habe. Zum anderen ich niemals über einen langen Zeitraum allein auf der Strecke war da einem immer entweder Läufer entgegen kamen oder ich andere Teilnehmer überrundete. Dabei wurde immer gegrüßt und sich gegenseitig angefeuert.

In Runde 5 habe ich die sogenannte zweite Luft bekommen und bin gefühlt über die Strecke geflogen da ich mittlerweile jeden Abschnitt und jeden Stein Kante. Ein großer Vorteil von solchen Rundenlauf Veranstaltungen zumal ich mich während meiner Vorbereitung explizit im Runden laufen vorbereitet habe im Deister, aber dazu in einem anderen Artikel mehr. Konrad konnte ich zwar nicht mehr einholen aber dafür hatte ich meine Geheimwaffe meine PUM Playlist dabei.

Also Kopfhörer rein und die Playlist an. Auf dieser waren zum Großteil Hits meiner Jugend zu finden z.B. Linkin Park, Limp Bizkit, Papa Roach usw. Der Vorteil bei dieser Liste ist immer wenn ich die „alten“ Lieder höre dann fühle ich mich direkt jünger, dynamischer, schneller und es läuft von selbst. Dementsprechend war ich voll im Modus ballern. Ein wunderbar herrliches Gefühl regelrecht über die Strecke zu „fliegen“. Dementsprechend war die Runde auch „fix“ vorbei und meiner Überraschung groß als ich kurz vor dem letzten VP das erste und auch das letzte mal überrundet wurde. Da flog auf einmal der 1. Platzierte an mir vorbei.

Die letzte Runde war tatsächlich beinahe die schönste da es mir überraschenderweise sehr gut ging und die Strecke auswendig kannte. Den ersten Bergababschnitt bin ich in einem für mich höllischem Tempo zu diesem Zeitpunkt des Rennens von 03:30 min/km runtergeflogen und habe nochmal alles aus mir rausgeholt. In dieser Runde habe ich mich auch nochmal ganz herzlich bei den Freiwilligen vom VP der Helpage Jede Oma zählt bedankt während ich mir eine Cola in meine Flask goss. Da ich mir für die letzte Hälfte des Rennens einen zusätzlichen Boost erhoffte.

Demensprechend flog der restliche Teil der Strecke an mir vorbei. Ich saugte jeden Moment und jede Beregnung nochmal in mich auf. Am letzten VP eingetroffen war ich zwar irgendwie erleichtert, dass ich es so gut geschafft habe. Aber ebenso war ich traurig das dieser tolle Lauf gleich vorbei sein würde. Während der letzten Flüssigkeitszufuhr am Verpflegungspunkt habe ich mich noch einmal herzlichst bei allein Freiwilligen für ihren tolle Arbeit bedankt bevor ich ein letztes Mal aufbrach.

Nun ging es nur noch bergab von der Deponiestraße hinunter zurück zum Gelände des Spvg Haste. Im Ziel erwarteten mich dann meine Frau, meine PUM Weggefährte Konrad sowie ein paar andere Finisher. Mit meiner Zeit von 08:06: bin ich sehr zufrieden für meinen 1. Ultramarathon.

Piesberg Ultramarathon 2023 Finisher Shirt

Danach und kleiner Dank

Nachdem ich mich dann aus den Klamotten geschält hatte und einige witzige Gespräche in der Umkleide geführt habe. Ging ich frisch geduscht in die Gastro des Vereinsheim und nahm am Tresen Platz. Damit ging es zu dem gemütlichen Teil des Tages über dem Essen. Aber vor allem dem Austausch mit den anderen Teilnehmer . Zu guter Letzt wurden die letzten Finisher ins Ziel geklatscht bevor die Siegerehrung stattfand.  Dabei möchte ich noch einmal die wirklich wunderbare familiäre Verbindung zwischen allen Teilnehmern hervorheben . Ich habe viele neue Menschen kennen gelernt und bin schon gespannt bei welchen Laufveranstaltungen man sich wieder sieht. Vielen Dank geht auch an das Veranstaltungsteam und natürlich die freiwilligen Helfer. Hoffentlich kann ich nächstes Jahr wieder einen Startplatz ergattern. Diesen will ich dann als Vorbereitung für mein Ziel nächstes Jahr nehmen dem Zugspitz Ultra Trail 2024.

Vielen Dank an alle die dabei waren und diesen Tag zu einem ganz besonderem in meinem Leben gemacht haben. Grüße gehen auch raus an das Trailteam Osnabrück viel Erfolg beim ZUT dieses Jahr.

Der aller größte Dank gilt aber meiner Frau die mich immer unterstützt. Sogar nachdem Wettkampf indem sie uns beide die 2 Stunden nach Hause fuhr.  Ein Training auf eine solche Distanz kostet vor allem auch die Mitmenschen viel Kraft. Denn viel Freizeit ist in mein Lauftraining und das Zusatztraining geflossen .

Deshalb ist das bewältigen einer so langen Distanz obwohl man vermeintlich alleine den Wettkampf läuft für mich ebenso eine Teamleistung. Denn ohne die Unterstützung der Mitläufer, der freiwilligen Helfer und der Unterstützung von außen durch Familie und Freunde. Wäre ein solcher Lauf bei weitem nicht so schön und meiner Meinung nach nicht realisierbar.

Falls euch interessiert wie das Ultramarathontraining lief klickt hier.

Vielen Dank für eurer Aufmerksamkeit und hinterlasst gerne Feedback in den Kommentaren.

Schreibe einen Kommentar